Backen wie die Römer – Gerstenbrot nach Plinius d.J.

In der Zeitschrift „Denkmalpflege und Kulturgeschichte“ findet sich in der aktuellen Ausgabe ein Artikel „Eintopf oder Brot? Zubereitungsversuche von Gerste“, der untersucht, wofür man in der Antike Gerste verwendet hat. Manche Quellen behaupten, dass Gerste nur als Viehfutter gedient habe. Dem widersprechen jedoch Funde von verkohlten Gerstenkörnern, die nahelegen, dass der Mensch die Gerste bearbeitet hat. Außerdem finden sich antike Quellen, so z.B. auch in der Bibel, die von Gerstenbrot sprechen. Die Autorin des Artikels, Dr. Angela Kreuz, hat daher im Selbstversuch versucht herauszufinden, was man aus Gerste herstellen kann. Die Gerste wurde auf einer echt römischen Steinmühle auf der Saalburg zu Mehl und Schrot verarbeitet. Dies gestaltete sich offensichtlich einigermaßen schwierig und langwierig, bis backfertiges Mehl entstand. Neben einem Eintopfrezept mit Gerstenschrot wird in dem Artikel auch ein Rezept für Brot aus Gerstenmehl und Linsenmehl angegeben, das so oder so ähnlich auch von Plinius d.J. beschrieben wird. Ich habe mich entschlossen, das Rezept nachzubacken.

Das Ergebnis, ein kastenförmiges goldbraunes Brot, finde ich durchaus gelungen. Die Krume ist fest und etwas rissig. Das Brot schmeckt wie ein „normales“ Vollkornsauerteig-Brot. Es ist vllt etwas krümeliger, aber z.B. mit Quark und Marmelade zum Frühstück sehr lecker.

gersteganz

So sieht das Brot im Anschnitt aus. Es ist sehr kompakt wegen des vollen Korns. Ich mag das sehr gerne, mein Liebster eher weniger.

gersteanschnitt

Zutaten:
685 g Gerstenkörner
75 g Linsen
1 TL Zucker
1 Würfel Hefe (Ich habe 1 1/2 Päck. Trockenhefe benutzt)
1 Päck. Sauerteigextrakt (hier: Alnatura)
Salz
500 ml Wasser (habe ich im Vergleich zum Orginalrezept ewas erhöht, da mit der Teig arg trocken erschien)

Zubereitung:
1. Gerstenkörner und Linsen zu feinem Mehl mahlen. Meine kleiner Bosch (mein Küchenmaschine) hat das anstandslos und schnell erledigt. Das ist wohl kein Vergleich zu römischen Steinmühlen. Etwas seltsam fand ich es, Linsen zu mahlen, aber die Gebrauchsanweisung der Getreidemühle sah darin keine Probleme. Anscheinend mahlt sie auch Mais, Reis und Co. Nur mit Ölsaaten soll man bei einer Steinmühle vorsichtig sein.

2. Hefe mit 1 TL Zucker und etwas Wasser verrühren. In das Mehl eine Mulde machen, Hefe hineingießen und 15 Minuten an einem warmen Ort ruhen lassen. (Bei mir ist das bei 35 Grad im Backofen.)

3. Sauerteigextrakt, etwas Salz und Wasser zum Teig geben und ausgiebig verkneten, bis ein elastischer Teig entsteht. 30 Minuten gehen lassen.

4. Teig in eine ausgefettete Kastenform füllen und weitere 30 Minuten gehen lassen. Das ganze geht sicher auch ohne Kastenform einfach so auf dem Backblech als Laib, da der Teig eher fest ist.

5. Bei 200 Grad 50-60 Minuten backen. Das Brot ist (wie üblich) fertig, wenn es beim Draufklopfen hohl klingt.
—–

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: